{"id":4961,"date":"2018-08-17T16:25:46","date_gmt":"2018-08-17T14:25:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.arbrb.de\/blog\/?p=4961"},"modified":"2018-08-17T16:27:35","modified_gmt":"2018-08-17T14:27:35","slug":"verzicht-auf-widerspruchsrecht-nach-%c2%a7-613a-abs-6-bgb-auch-bei-fehlerhafter-unterrichtung-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.arbrb.de\/blog\/2018\/08\/17\/verzicht-auf-widerspruchsrecht-nach-%c2%a7-613a-abs-6-bgb-auch-bei-fehlerhafter-unterrichtung-moeglich\/","title":{"rendered":"Verzicht auf Widerspruchsrecht nach \u00a7 613a Abs. 6 BGB auch bei fehlerhafter Unterrichtung m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"<p>Das LAG Niedersachsen hat mit Urteil v. 05.02.2018 (8 Sa 831\/17) entschieden, dass auch dann <em>wirksam<\/em> auf das Widerspruchsrecht des \u00a7 613a Abs. 6 BGB <em>verzichtet<\/em> werden kann, wenn der Arbeitnehmer zuvor <em>fehlerhaft<\/em> oder <em>unvollst\u00e4ndig<\/em> \u00fcber den bevorstehenden oder erfolgten Betriebs\u00fcbergang gem. \u00a7 613a Abs. 6 BGB unterrichtet worden ist.<\/p>\n<p>Strittig ist gegenw\u00e4rtig \u2013 und das wird es bis zur Revisionsentscheidung des BAG in dieser Sache (Az. 8 AZR 208\/18) auch bleiben \u2013, ob Arbeitnehmer im Zusammenhang mit einem konkret bevorstehenden Betriebs\u00fcbergang auf das Widerspruchsrecht verzichten k\u00f6nnen, wenn sie nicht zutreffend oder unvollst\u00e4ndig gem. \u00a7 613a Abs. 6 BGB \u00fcber den Betriebs\u00fcbergang unterrichtet worden sind.<\/p>\n<p>Dies war vom LAG Saarland im Urteil v. 12.08.2009 \u2013 2 Sa 52\/09 verneint worden, weil der Schutzzweck des \u00a7 613a Abs. 6 BGB gebiete, dass der Arbeitnehmer wisse, worauf er verzichte. Das ArbG Arnsberg hatte sich im Urteil vom 13.05.2013 \u2013 1 Ca 53\/13 \u2013 dem angeschlossen; gefolgt waren auch <em>Grobys<\/em> BB 2002, 726, 730; APS-<em>Steffan<\/em>, K\u00fcndigungsrecht, 5. Auflage 2017, \u00a7 613a BGB, Rz. 232.<\/p>\n<p>Andere \u2013 und dies scheint auch die herrschende Meinung zu sein \u2013 halten einen Verzicht nicht nur bei fehlerhafter oder unvollst\u00e4ndiger Unterrichtung, sondern sogar bei <em>ganz<\/em> <em>unterbliebener<\/em> <em>Unterrichtung<\/em> f\u00fcr <em>wirksam<\/em> (so ErfK\/<em>Preis<\/em>, 18. Auflage 2018, \u00a7 613a BGB, Rz. 104; HWK-<em>Willemsen\/M\u00fcller-Bonanni<\/em>, 8. Auflage 2018, \u00a7 613a BGB, Rn. 362). Argument ist die Vertragsautonomie.<\/p>\n<p>Dieser Auffassung schlie\u00dft sich das LAG mit den Argumenten an, allgemeine Einw\u00e4nde st\u00e4nden einem Verzicht nicht entgegen und \u00a7 613a BGB sei dispositives Recht. Das System des \u00a7 613 BGB sei Schutzrecht des betroffenen Arbeitnehmer: \u201e<em>Dieser Schutzzweck erfordert keine Beschr\u00e4nkung der Vertragsfreiheit. Den Arbeitnehmern steht es weiterhin frei, eine \u00dcberleitungsvereinbarung zu schlie\u00dfen. Dazu geh\u00f6rt auch die M\u00f6glichkeit, auf das Widerspruchsrecht zu verzichten<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Aus diesem Grunde konnte der klagende Schlachthofmitarbeiter dem Betriebs\u00fcbergang auf die sp\u00e4ter insolvent gegangene Produktions-GmbH nicht mehr widersprechen, weil er zuvor sein Einverst\u00e4ndnis zur Weiterbesch\u00e4ftigung bei dieser Produktions-GmbH gegen\u00fcber dem bisherigen Arbeitgeber und dieser Produktions-GmbH ge\u00e4u\u00dfert hatte, mithin auf das Widerspruchsrecht gem. \u00a7 613a Abs. 6 BGB verzichtet hatte.<\/p>\n<p>Angemerkt sei noch, dass regelm\u00e4\u00dfig ein <em>konkludenter<\/em> Verzicht auf das Widerspruchsrecht vorliegt, wenn sich der Arbeitnehmer mit dem bisherigen oder dem neuen Inhaber \u00fcber den \u00dcbergang des Arbeitsverh\u00e4ltnisses verst\u00e4ndigt, also sein Einverst\u00e4ndnis mit der Weiterbesch\u00e4ftigung beim neuen Arbeitgeber erkl\u00e4rt (so das BAG v. 19.03.1998 \u2013 8 AZR 139\/97; HWK-<em>Willemsen\/M\u00fcller-Bonanni<\/em>, a.a.O.). Das ist der eleganteste Weg des \u201eVerzichts\u201c in der Personalpraxis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das LAG Niedersachsen hat mit Urteil v. 05.02.2018 (8 Sa 831\/17) entschieden, dass auch dann wirksam auf das Widerspruchsrecht des \u00a7 613a Abs. 6 BGB verzichtet werden kann, wenn der Arbeitnehmer zuvor fehlerhaft oder unvollst\u00e4ndig \u00fcber den bevorstehenden oder erfolgten Betriebs\u00fcbergang gem. \u00a7 613a Abs. 6 BGB unterrichtet worden ist. 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