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Posten, bloggen, kommentieren - "Influencen" im Auftrag des Arbeitgebers - Was ist arbeitsrechtlich zu beachten? (Niklas/Köllmann, ArbRB 2020, 277)

In Unternehmen werden immer häufiger Corporate Influencer eingesetzt. Im Zentrum der rechtlichen Diskussion stehen zwar häufig wettbewerbs- und markenrechtliche Themen. In diesem Zusammenhang treten aber auch einige arbeitsrechtliche Fragestellungen auf. Diese reichen von der typischen Vertragsgestaltung über haftungsrechtliche Aspekte bis hin zur Beteiligung des Betriebsrats. Hiermit beschäftigt sich der vorliegende Beitrag.

I. Influencer: Begriff und Bedeutung für das Unternehmen

II. Typische Vertragsverhältnisse

1. Beschäftigung als Solo-Selbstständige

2. Beschäftigung als Selbstständige mittels Contracting

3. Einbindung eigener Arbeitnehmer als Corporate Influencer

III. Der Corporate Influencer und das Arbeitsrecht

1. Reichweite des Direktionsrechts

2. Social-Media-Guidelines

3. Vertragliche Zusatzvereinbarung

4. Schulungen zu weiteren rechtlichen Gesichtspunkten

IV. Beteiligung des Betriebsrats

V. Fazit


I. Influencer: Begriff und Bedeutung für das Unternehmen

Als Influencer gelten Personen, die in einem bestimmten Bereich Expertenwissen und/oder soziale Autorität besitzen und entsprechende Inhalte (Content) in den sozialen Medien teilen und damit Einfluss auf Ihre Follower ausüben. Waren es früher vor allem Filmstars, Sportler oder ähnliche Berühmtheiten, nimmt die Bedeutung sog. Mikro-Influencer mit unter 100.000 Followern immer stärker zu. Sie gelten als authentischer und besitzen damit eine höhere Glaubwürdigkeit. Ebenso setzen Unternehmen beispielsweise im Recruiting-Prozess und in der Unternehmenskommunikation verstärkt auf ihre eigenen Mitarbeiter. Diese teilen Content in Form von Videos, Fotos, Blogs oder Kommentaren auf ihren privaten Linked­In-, Facebook-, Twitter- oder Instagram-Kanälen. 2019 setzten nach einer Studie der dpa-Tochter „news aktuell“ 49 % der deutschen Unternehmen auf solche Corporate Influencer.

II. Typische Vertragsverhältnisse
In der Praxis erfolgt die Einbindung von Influencern auf unterschiedliche Art und Weise.

1. Beschäftigung als Solo-Selbstständige
Zahlreiche Influencer bieten ihre Dienste als Solo-Selbstständige auf der Grundlage von Werk- oder Dienstverträgen an. Sie organisieren ihre Tätigkeit im Wesentlichen frei (vgl. § 611a Abs. 1 Satz 3 BGB) und sind regelmäßig für mehrere Unternehmen tätig. Der Werkbesteller, also das beauftragende Unternehmen, kann dem Influencer oder dessen Erfüllungsgehilfen Anweisungen für die Ausführungen des Werks erteilen, vgl. § 645 Abs. 1 Satz 1 BGB. Entsprechendes gilt für Dienstverträge.

In der Praxis erfolgt die Einbindung in diesen Fällen häufig so, dass die Influencer Vorgaben im Hinblick auf den Markenauftritt sowie die Anzahl vorzunehmender Postings erhalten. Der Zeitpunkt sowie die Art und Weise der Postings bleiben jedoch den Influencern überlassen. Wichtig ist, dass die Influencer in diesem Fall nicht in die Organisations- und Weisungsstruktur des beauftragenden Unternehmens eingebunden werden dürfen, da anderenfalls eine Scheinselbstständigkeit anzunehmen ist.

Beraterhinweis
Erfolgt das Influencer-Marketing mithilfe von Crowdworkern, kommt regelmäßig kein Arbeitsverhältnis zustande, solange weder das Auftrag gebende Unternehmen verpflichtet ist, Aufträge anzubieten, noch der Crowdworker solche anzunehmen hat.

2. Beschäftigung als Selbstständige mittels Contracting
Die wohl am häufigsten anzutreffende Gestaltungsoption der Beschäftigung von Influencern ist das Contracting. Hierunter versteht man ...
 


Verlag Dr. Otto Schmidt vom 09.09.2020 09:33

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