Modellprojekt zu anonymen Bewerbungen gestartet
Fünf Unternehmen, darunter die Deutsche Post und die Deutsche Telekom, sowie das Bundesfamilienministerium nehmen ab Herbst diesen Jahres an einem einjährigen Modellversuch zu anonymisierten Bewerbungsverfahren teil. Untersucht werden soll, ob anonyme Bewerbungen, die weder ein Foto noch den Namen, die Adresse, das Geburtsdatum oder Angaben zum Familienstand enthalten, die Chancen insbesondere von älteren Bewerbern und solchen mit Migrationshintergrund auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhöhen.
Wissenschaftliche Begleitung und Auswertung
Das Pilotprojekt wird wissenschaftlich begleitet und anschließend ausgewertet. Wie die Teilnehmer die anonymisierte Bewerbung umsetzen, ist noch nicht festgelegt. Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) empfiehlt allerdings, ein standardisiertes anonymisiertes Bewerbungsformular zu entwerfen, damit das Anonymisieren von herkömmlichen Bewerbungen nicht zu zeitaufwendig wird. Bei Onlinebewerbungen reiche es, die Eingabemaske entsprechend auszurichten.
Anonymisierte Bewerbungsverfahren freiwillig
Die Antidiskriminierungsstelle als Initiatorin des Modellversuchs hat betont, dass sie auf Freiwilligkeit setze. Deshalb verstehe man die Aufregung in Teilen der Wirtschaft nicht. Es gehe lediglich darum, ein in anderen Ländern schon verbreitetes Verfahren zu testen und anschließend zu bewerten.
Der Hintergrund:
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) mit Sitz in Berlin ist mit dem Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) am 18.8.2006 errichtet worden. Sie setzt sich für eine merkmalsunabhängige, übergreifende Strategie zum Schutz vor Benachteiligungen ein.
Linkhinweis:
Weitere Informationen zum Thema anonyme Bewerbungen finden Sie unter www.antidiskriminierungsstelle.de.
Verlag Dr. Otto Schmidt vom 30.8.2010, Quelle: ADS PM vom 24.8.2010